Alles Banane?

Keine fünf  Jahrzehnte ist es her, dass die United Fruit Company als Inbegriff eines skrupellosen kapitalistischen Multikonzerns galt.  In seinem berühmten  Canto General  prangerte Pablo Neruda im Gedicht United Fruit Company die Kolonisierung der Länder Lateinamerikas an. In  Hundert Jahre Einsamkeit verarbeitete Gabriel García Márquez den Streik der im Jahr 1928 gegen die Behandlung von United Fruit protestierten Bananenarbeiter von Magdalena. Die Krake, el pulpo, wurde die UFC  von lateinamerikanischen Schriftstellern,  kritischen Journalisten  und politischen Aktivisten nur genannt. Großen Anteil an den Exzessen der Firmenpolitik  trug Edward Bernays, der als Erfinder der modernen Werbekampagne gilt und  für die United Fruit Company in Guatemala einen Propagandafeldzug mit Mitteln der psychologischen Kriegsführung organisierte – was 1954 bekanntermaßen zum Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Jacobo Àrbenz führte. Seitdem wurde die UFC nur noch in einem Atemzug mit den Namen der Brüder Dulles und der CIA genannt. 1970  trennte sich die Firma von ihrem rufgeschädigten Namen, benannte sich zunächst um in United Brands Company,  ab 1987 dann in Chiquita Brands International. Aber bis weit in die 1990er Jahre hinein haftete dem Bananenmulti das Image des gesetzlosen Ausbeuters an. Dass Chiquita dann in gut einem Jahrzehnt der Wandel vom Saulus zum Paulus gelang, war das Resultat einer neuen – durch Konsumentendruck erzielten – Firmenphilosophie, die sich dem Prinzip der Corporate Social Responsibility verschrieb und damit zum ersten Mal positive Medienaufmerksamkeit erhielt.  Der 2006 in Brandeins erschienene Bericht des  Wirtschaftsjournalisten Steffan Heuer über diesen Wandel  ist immer noch lesenswert.  Seit noch gar nicht so langem also löst sich  in Lateinamerika die Geschichte des wichtigsten Exportprodukts von der Geschichte einer – wenngleich weiterhin den Exportmarkt dominierenden – Firma.

„Bananen sind hinter Reis, Weizen und Mais das am häufigsten konsumierte und gehandelte Lebensmittel der Welt. Wenn es verschwinden würde, wäre dies eine Nahrungsmittelkatastrophe,“ sagt Carlos Lopez Flores, der aktuelle Präsident dieser Firma.

Und doch droht nun genau das. Und zwar durch den Ausbruch der verheerenden Bananenkrankheit TR4  (Fusarium Tropical Race 4 ) in Kolumbien, der die ganze Region und die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen akut gefährdet. Denn 135 Staaten gehören zu den Bananen-produzierenden Ländern. Aber 80% der exportierten Bananen stammen aus Lateinamerika. Zwar gibt es 150 verschiedene Sorten, doch nur auf eine – nämlich Cavendish –  konzentriert sich die Exportproduktion. Deshalb ist für Hans Dreyer, Direktor der FAO-Abteilung für Pflanzenproduktion und -schutz in Rom,  ein radikales Umdenken beim Bananenanbau das Gebot der Stunde: weg von Monokulturen hin zu mehr Vielfalt auf den Feldern.  Im Interview mit der Welthungerhilfe sagt er:

„Der Privatsektor arbeitet mit Hochdruck an der Züchtung neuer Bananensorten. Aber auch öffentliche Institutionen sind daran beteiligt, wie das internationale Institut für Tropische Landwirtschaft (IITA) in Westafrika oder die FAO zusammen mit der Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Pflanzenzüchtung ist ein langwieriger Prozess, für den umfangreiche Investitionen und sehr spezielles Fachwissen benötigt werden. Jetzt muss in kurzer Zeit nachgeholt werden, was über viele Jahre vernachlässigt wurde, und das kann teuer werden.“

Denn sollte sich die Seuche in kurzer Zeit massiv ausbreiten und sollten keine neuen, widerstandsfähigen Sorten rechtzeitig angebaut werden, wird es in den Ländern, wo die Banane ein Grundnahrungsmittel ist,  zu Engpässen und einer Bedrohung  der Ernährungssicherheit kommen.

Ursprünglich war in diesem Monat im IAI  eine der Geschichte der Banane gewidmete Gesprächsveranstaltung aus unserer Reihe „Globale Wirtschaftswelten“ geplant. Diese Veranstaltung wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. 

Foto: CCO Public Domain

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Gerhard Mertschenk sagt:

    Es handelte sich nicht um einen Putsch des demokratisch gewählten Präsidenten Jacobo Árbenz, sondern um einen von den Brüdern Dulles – John Foster stand als Rechtsanwalt im Dienste der UFC und war Außenminister, Allan war CIA-Direktor und im UFC-Vorstand – geleiteten Putsch gegen Árbenz. Wieder mal wurde dabei zur Begründung das Gespenst des Kommunismus an die Wand gemalt, obwohl Árbenz alles andere als ein Kommunist war. Dieser Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten wirft ein bezeichnendes Licht auf das Demokratieverständnis US-amerikanischer Politiker, denen es nicht um Demokratie geht, sondern um Wahrung ihrer eigenen Interessen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Und noch heute fallen immer wieder Leute dank einer ausgeklügelten Gehirnwäsche durch die main-stream-Medien auf die Mär von der kommunistischen Gefahr rein,

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