Die Schwestern Acosta

Rita Hernandez de Alma Acosta (1875-1929), Mercedes de Acosta (1893-1963) und Aida de Acosta (1884-1962)

Mütterlicherseits entstammten die Schwestern Acosta spanischem Adel  – den Herzögen de Alba. Ihr Vater war Ricardo de Acosta, ein Kaufmann aus Kuba, der durch die Dampfschifffahrt zu Wohlstand kam. Die drei hispanoamerikanischen Schwestern erblickten in den USA das Licht der Welt. Miteinander verwoben entfalten ihre Biografien ein New Yorker Gesellschaftsgemälde, das von der Belle Epoque bis tief ins 20. Jahrhundert reicht.

Rita Hernandez de Alma Acosta Stokes Lydig wurde um die Jahrhundertwende als schönste Frau der Welt gefeiert. Als „fabulous Mrs. Lydig“. Eine reiche, zweimal geschiedene, berühmte Gesellschaftslöwin – Mittelpunkt der Newport Society; von Künstlern umworben, die erste Shopaholic des Jahrhunderts. Durch damals spektakuläre Scheidungsabfindungen erzielte ihr Reichtum astronomische Höhen.

Sie lebte in Häusern, die der amerikanische Stararchitekt Stanford White kreiert hat, inmitten flämischer Tapisserien, Schalen und Leuchtern aus Gold und Silber, mit Bildern, deren Maler zu ihren Freunden zählten, wie Boldini und Degas. Mit Werken der Alten Meister, Botticellis „Venus“, Tintorettos „Kreuzigung“  und Matteos „Jungfrau mit Kind“. Mit Alabaster-Skulpturen aus Bolognas Meisterschulen, chinesischem Porzellan aus der Ming-Periode und Möbeln der American Renaissance. 

 Die Auflösung und Versteigerung  ihrer Kunstsammlung war das Gesellschaftsereignis des Jahres 1913.  In den Zwanzigerjahren verschwand  sie aus den Schlagzeilen.  Das Jahr des großen Börsencrash war auch das Todesjahr der einstmals gefeierten wunderbaren Mrs. Lydig. Von ihrem Vermögen  war bei ihrem Tode nichts mehr übrig.  Aber ihre Kleider bildeten den Grundstock des Kostüm-Instituts  des Metropolitan Museum of Art, in dem die Vogue jährlich ihre Benefiz-Gala ausrichtet. 

Mercedes de Acosta dachte in den ersten Jahren ihres Lebens, sie sei ein Junge, da sie von ihrer Mutter  Rafael genannt wurde,  nachdem die vergeblich gehofft hatte, das jüngste ihrer Kinder würde ein Junge. Später wurde die für Metro-Goldwyn-Mayer tätige Schriftstellerin Mercedes de Acosta  stattdessen berühmt für ihre Affären mit Schauspiel- und Tanzstars (u.a. Marlene Dietrich und Isadora Duncan), die sie in ihrer 1960 erschienenen Autobiografie „Here lies the Heart“ öffentlich machte, was ihr keine der Erwähnten verzieh. Greta Garbo brach den Kontakt zu ihr ab. 

Aida de Acosta Breckinbidge war – wie Wikipedia aufklärt – „die erste amerikanische Frau kubanischer Abstammung, die im Alleinflug ein motorgetriebenes Luftschiff steuerte. Sie machte ihren Flug sechs Monate bevor die Gebrüder Wright ihren berühmten Flug durchführten.“ Ans Steuer seines Flugzeug-Prototypen Nr. 9 gelassen hatte die 19-jährige der brasilianische Flugzeugkonstrukteur Alberto Santos-Dumont. Die Szene ereignete sich in Paris. Aida de Acosta flog im viktorianischen Kostüm mit Hut sieben Kilometer weit über Paris, Santos Dumont  radelte auf seinem Fahrrad unter ihr her, schrie ihr Anweisungen zu, wies ihr taschentuchwedelnd die Richtung, in die sie fliegen sollte,  und prophezeite ihr, nachdem sie auf einer Wiese im Bois de Bologne gelandet war, dass sie als erste Flugpilotin in die Geschichte eingehen würde. 

Aida de Acosta ging aber vor allem als größte Spendensammlerin ihrer Zeit in die Geschichte ein. Noch als junge Frau organisierte sie mit Spendengeldern eine Milch-Küche für arme Kinder. Während des 1. Weltkriegs sammelte sie mehr als 2 Mio. Dollar mit „Victory“-Anleihen, eine Rekordsumme für die damalige Zeit, zu der auch Enrico Caruso durch ein Charity-Open-Air-Konzert von der Treppe des Treasure Building in der Wall Street beitrug. Nach dem Krieg ging sie mit dem amerikanischen Hilfs-Komitee nach Frankreich und kümmerte sich um französische Kriegsopfer.

Als sie mit 30 Jahren am grauen Star erkrankte und auf einem Auge erblindete, begann sie sich im Bereich der Augenheilkunde zu engagieren. Sie schaffte einen neuen Rekord von 5 Mio. Dollar Spendengelder, die in das neu gegründete Wilmer Augeninstitut flossen, das der John Hopkins Klinik angeschlossen war. 1944 trieb sie auf die gleiche Weise die Gründung der weltweit ersten Augenbank voran.

Der New Yorker Bürgermeister Fiorello Laguardia erkannte ihr Öffentlichkeitsarbeits-Talent und ernannte sie zu seiner Kunstbeauftragten. Nebenbei produzierte/finanzierte Aida de Acosta die ersten Dokumentarfilmprojekte, z.B. Robert Flahertys „Twenty-Four Dollar Island“. 

Beitragsfotos: Aida D’Acosta Breckinridge piloted Alberto Santos-Dumont’s airship N° 9, La Baladeuse in 1903. /Wikimedia Commons; Portrait of Rita de Acosta Lydig by Giovanni Boldini. Oil on canvas. Signed and dated “Boldini 1911”/ Wikimedia Commons; Arnold Genthe (1869-1942)/LOC agc.7a08459. Mercedes Hede de Acosta, 1919 or 1920 / Wikimedia Commons; Aida de Acosta / Wikimedia Commons

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