Der Schriftsteller und Diplomat Antonio Skármeta ist am 15.10.2024. gestorben. Unser Vorstandsvorsitzender Thomas Bremer schrieb einen Nachruf auf den Chilenen, der ebenfalls Mitglied im Ehrenkomitee unseres Förderkreises war.
Antonio Skármeta, der am Dienstag im Alter von 83 Jahren in Santiago gestorben ist, war lange Zeit eine Konstante im (damals noch West-)Berliner Kulturleben. Schon bald nach dem Putsch von 1973 war er – nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Argentinien – hierher gekommen und blieb bis 1990, als mit der Übernahme des Präsidentenamts durch Patricio Aylwin der Übergang zur Demokratie in Chile eingeleitet wurde. Von seiner Wohnung in der Goethestraße aus, also sozusagen mitten im Herzen des alten West-Berlin, war er bei vielen Kulturereignissen dabei und startete von dort aus Lesungen auch in vielen anderen Städten, immer bemüht, in Kontakt zu Lesern und Leserinnen und zu anderen Autoren und Intellektuellen in Deutschland und Europa zu kommen.
In Chile war 1967 – Skármeta war 27 – die Erzählungssammlung „El entusiasmo“ erschienen; für „Desnudo en el tejado“ erhielt er zwei Jahre darauf den Preis der cubanischen Casa de las Américas. Schon damals schrieb er vor allem auch Filmdrehbücher; sein erster Roman, „Soñe que la nieve ardía“ war 1975 bei Planeta und dann in italienischer Übersetzung bei Feltrinelli erschienen. 1978 – da lebte er schon in West-Berlin – erschien er dann zugleich in Ost-Berlin bei Aufbau und in der Bundesrepublik bei Luchterhand im Rahmen einer Initiative, junge Autoren aus Lateinamerika mit politischen Texten zu verlegen.
Schon hier ging es um die politische Situation unter der Regierung Allende; ein Junge, der ein Fußballstar werden will, kommt nach Santiago und erlebt, was dort passiert. Der Roman war erfolgreich, wurde auch noch in andere Sprachen übersetzt, z.B. ins Dänische, doch war dies alles nicht zu vergleichen mit dem Erfolg von „Mit brennender Geduld“, „Ardiente paciencia“ von 1985. In Deutschland wurde er wiederum in beiden deutschen Staaten veröffentlicht, dieses Mal sogar in jeweils einer eigenen Übersetzung, vor allem aber schaffte der Text aber auch den Sprung in die USA. Die Folge war eine Verfilmung durch Michael Radford unter anderem mit Philippe Noiret als Pablo Neruda, der einem verliebten Postboten (daher der Filmtitel „Il postino“, der Postmann) mit seinen Gedichten dabei hilft, die Geliebte für sich zu gewinnen. Der Film war weltweit erfolgreich und erhielt zahlreiche Preise; 1996 wurde er für insgesamt fünf Oscars nominiert (wenngleich er am Ende nur einen, den für die beste Filmmusik, erhielt).
Nach seiner Rückkehr nach Chile wurde Skármeta schnell auch dort bekannt; im Fernsehen hatte er eine Zeitlang eine eigene, sehr erfolgreiche Literatursendung. Im Jahr 2000 kam er noch einmal nach Berlin zurück – als Botschafter seines Landes, ernannt vom neuen Präsidenten Ricardo Lagos, dem nach Allende zweiten sozialistischen Präsidenten Chiles. Hier blieb er drei Jahre. Sein letzter großer literarischer Erfolg war das Drehbuch zu Pablo Larraíns Film „No!“ (2012), das die Werbekampagne für die Ablehnung von Pinochets Referendum von 1989 thematisierte.
In den letzten Jahren gesundheitlich zunehmend beeinträchtigt, blieb Skármeta Berlin aus der Ferne verbunden. Wir trauern nicht nur um einen großen Schriftsteller und Freund, sondern auch um ein Mitglied im Ehrenkomitee des Förderkreises des IAI, zu dem er fast zwanzig Jahre lang gehörte.
Thomas Bremer
Bildquelle: Rodrigo Fernández (CC BY-SA 4.0)
