Gabos Archiv, digital

Bei seinem Tod (April 2014) hat Gabriel García Márquez einen umfangreichen Nachlass aus Manuskripten, Fotos, Gegenständen hinterlassen. Jetzt ist ein Großteil davon digitalisiert zugänglich.

Fotoalben (eines trägt die Aufschrift „GGM y presidentes“ und zeigt ihn mit Fidel Castro und zahlreichen anderen lateinamerikanischen Politikern; andere mit vielen Schriftstellerkollegen, aber natürlich auch der Familie und am Schreibtisch), Manuskripte, Skizzenbücher, Notizzettel, Druckfahnen, aber auch Zeitungsausschnitte, Andenken und Lebenszeugnisse wie die Reisepässe mit ihren Eintragungen – GGM hat, vor allem in dem Haus in Mexico, wo er zuletzt wohnte, ein umfangreiches Archiv hinterlassen. Seine beiden Söhne hatten – wie man hört, für gut 2 Millionen Dollar – den Nachlass an die Universität Austin, Texas, verkauft. Sie – genau genommen, ihr Harry Ransom Center für Schriftstellernachlässe – hat ihn inzwischen katalogisiert, geordnet, die Papiere und Fotos aus teils prekären Umschlägen in Archivkartons umgebettet und digitalisiert. Vor Ort war er so schon in den letzten Jahren für die Forschung einsehbar. Ein großer Teil davon – nach Angaben der Bibliothek etwa 25.000 Seiten – sind nunmehr aber auch im Netz zugänglich (https://hrc.contentdm.oclc.org/digital/), und zwar einmal als Garcia-Marquez-Papers (dem weit überwiegenden Teil) und einmal, getrennt davon, alles, was sich speziell auf Cien años de soledadbezieht. Hier kann man unter anderem auch Rezensionen zu Hundert Jahre Einsamkeit zu ‚Gabos‘ Lebzeiten in allen großen Sprachen recherchieren (der Sprachfilter ist allerdings unzuverlässig) oder die Umschläge unterschiedlicher Ausgaben betrachten. 

Der größere Teil verteilt sich jedoch auf Material zu den anderen Romanen, zu den Lebensstationen und zu zahlreichen Gelegenheitsarbeiten, wobei die Dichte der Überlieferung seit den späten 1980er Jahren erkennbar zunimmt: Ansprachen, Interviews, Vorarbeiten zu Texten. Ein ganzer Set von Karteikarten sammelt beispielsweise Materialien zur Biografie von Simón Bolívar für den Roman Der General in seinem Labyrinth; ein Notizbuch sammelt einzelne Handlungsideen und Formulierungen für die Texte, an denen GGM gerade schriebDie Speisekarte des Nobelpreis-Mittagessens im Stockholmer Rathaus am 10. Dezember 1982 verrät hingegen die damalige Speisefolge (Rentierfilet mit Dijonsauce und Seesaibling). Neben zentralen Dokumenten zur literarischen Entwicklung von García Márquez finden sich eben auch Kuriosa … 

Foto: ©Sylvio Heufelder

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